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Kyudan - Generelles zum Graduierungssystem

Kyudan (jap ): Bezeichnung für das Graduierungssystem des Butokukai in den
japanischen Budo-Künsten. Es unterteilt sich in die Kyu-Systeme der Schüler und die Dan-Graduierungen der Schwarzgurte. Die Zuteilung eines Kyu oder Dan erfolgt durch ein Diplom, das vom Sensei an den Schüler verliehen wird. Im Budo betrachtet man die Kyu als Schülergrade und die Dan als Grade der Selbstperfektionierung auf dem Weg. Der höchste Grad ist zumeist dem Gründer der Schule oder des Stils vorbehalten.

Kohai

Die Stufe der jungen Schüler ist die Basis der Pyramide. Sie erstreckt sich über alle
Kyu-Grade und enthält Anfänger und Fortgeschrittene. Nur selten hat diese Stufe mit dem Meister direkt zu tun. Die Älteren sind es, die sie unterrichten und an denen sie sich orientieren. Ihre Aufgabe ist es, durch den Kampf um die innere Haltung zu wachsen, eine Herausforderung mit sich selbst anzunehmen und durch Achtung eine gute Beziehung zu jenen zu schaffen, die sie lehren. Sie müssen sich in der Bescheidenheit üben, Vertrauen entwickeln und lernen, sich selbst zu betrachten.

Sempai

Eine Schlüsselposition in der Pyramide kommt den Älteren (Sempai) zu. Sie sind das Bindeglied (Yudansha) zwischen dem Sensei und den Schülern. Der Sempai ist der eigentliche Lehrer der jüngeren Schüler. In der Problematik des Unterrichtes liegt eine Herausforderung, durch sie kann er lernen, in ihr kann er reifen. Gleichzeitig ist er der Wächter über die Tradition, über das rechte Verhalten, über den Budo-Geist und über
das korrekte Einhalten der Etikette. Der Sempai weiß um die Schwierigkeiten der Weitergabe. Er kennt die Probleme der Mudansha aus eigener Erfahrung und erfährt sie nun aus der Sicht des Lehrers. Am Beispiel seiner Schüler erkennt er, wie er selbst einmal war, doch inzwischen weiß er, worauf er achten muss. So bleibt er jedem negativen Einfluss gegenüber dem Budo-Geist wachsam. Er gibt ein beispielhaftes Verhalten nach unten weiter und achtet darauf, dass jeder seine rechte Haltung erkennen kann. Mehr als die Stärke der Technik ist es der reine Geist, den er in seinen Schülern schleifen muss.

Sensei

Der Meister gibt das in den Kodansha-Graden existierende Wissen an die Sempai weiter, die sich darin üben, es bei ihrer Arbeit mit ihren Schülern anzuwenden. Obgleich die Sempai sich selbst in einem Lernprozess mit den Meister befinden, greift dieser in ihre Arbeit mit den Schülern nur dann ein, wenn das Gleichgewicht bedroht ist.
Der Schülerunterricht obliegt den Sempai, die in dieser Aufgabe einen Teil ihrer Wegerfahrung suchen. Der andere Teil besteht in der Nähe zum Meister, aus der die nötigen Impulse zum eigenen Fortschritt kommen. Offenheit nach oben, Selbstständigkeit im Eigenen und Vorbild nach unten, das sind die wichtigsten Charakteristika der Sempai.

Quelle: Das Lexikon der Kampfkünste, S. 370
von Werner Lind
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